Mit einem Tauf-Ritual haben Gemeinderat Gauthier Rüegg und Regionalpräsident Kai-Uwe Skeip den zweiten «mybuxi»-Kleinbus vorgestellt.
Die buchstäblich bewegendste Taufe des auslaufenden Jahres wird nicht vor dem Altar zelebriert, sie findet zwischen Kirchturm und Kirchgemeindehaus statt. Der Zeremonienmeister ist kein Priester, sondern ein Präsident; der Taufpate kein Götti, sondern ein Politiker.
Und der blütenweise Täufling steht auf vier Rädern, hat ganz schön viel Strom unter der Haube – und ist weiblich.
«Darf ich vorstellen: Golda!», sagt Kai Uwe Skeip, Präsident des Vereins «mybuxi Zürich Ost». «Golda ist ein Meilenstein für die Mobilität in der Region östlich von Zürich.» Gemeinderat Gauthier Rüegg, als Vorsteher Hochbau und Planung auch für den Verkehr zuständig, entkorkt eine edle Schaumweinflasche, erhebt den Plastikkelch und die Stimme: «So taufe ich dich auf den Namen Golda.»
Dieses Pilotprojekt ergänze das ÖV-Angebot für die weniger dicht besiedelten Gemeindegebiete, fährt er fort, es reihe sich ergänzend ein in die Bestrebungen der Gemeinden Küsnacht und Maur sowie der Forchbahn, den Bahnhof Forch als Drehscheibe zu stärken, sagt Rüegg und nimmt Skeips Bild vom Meilenstein auf: «Zwischen den ZVV-Endstationen und den Bahnhöfen auf unserem Gemeindegebiet deckt mybuxi die letzte beziehungsweise erste Meile ab.»
Und knapp zwei Dutzend Taufzeugen applaudieren begeistert.
Mit dem kleinen, feierlichen Ritual ist nicht nur ein Taufakt vollzogen; es ist auch ein neues Kapitel in der Küsnachter Verkehrspolitik eröffnet worden: Golda – mit vollem Namen: Golda Zafira Opel (!) – ist offiziell im Kreis der Küsnachter ÖV-Familie aufgenommen worden. Tatsächlich verkehrt der Kleinbus bereits seit Monaten Tag für Tag zwischen Greifensee und Zürichsee, bringt Pendelnde zur Forchbahn, Kinder in die Schule, Seniorinnen zum Coiffeur, Patienten zum Arzt – kurz: Mit dem halböffentlichen «On demand»-Nahverkehrskonzept bringt mybuxi Bewegung in das Dorf Küsnacht und in die Weiler auf dem Küsnachterberg. Die Menschen kommen einander näher – dank Golda.
Der Namensfindung ist ein aufwändiger Evaluationsprozess vorausgegangen: «Wir wollten den Menschen, die sich von uns fahren lassen, die Gelegenheit geben, mitzuentscheiden, wie unser neues Fahrzeug heissen soll», erklärt Kai-Uwe Skeip. «Deshalb habe er einen Wettbewerb ausgeschrieben, worauf «zahlreiche spannende Vorschläge eingereicht wurden.» Zum Beispiel «Chüssi», angelehnt an das gelbe Kissen auf rotem Grund im Küsnachter Wappen. Oder «Tina» – in Erinnerung an den Weltstar Tina Turner. Gegen diesen Vorschlag allerdings hat der Gemeinderat sein Veto eingelegt; denn der vor dreieinhalb Jahren verstorbenen, prominentesten und beliebtesten Mitbürgerin ist bereits das Küsnachter Seerettungsschiff gewidmet.
Der Entscheid fiel dann auf den Vorschlag eines Küsnachter Bürgers, der mit «Golda» sozusagen das «goldene Los» gezogen und damit ein Jahres-Abonnement gewonnen hat – er darf sich ein Jahr lang über den Pfannenstiel chauffieren lassen. Allerdings ist er der Taufe selbst fern geblieben, deshalb soll sein Name hier nicht verraten werden.
Der Name Golda hingegen passe «perfekt», freut sich Gemeinderat Rüegg. Er erinnere sowohl an den Ortsteil Goldbach als auch an unsere schöne Goldküste.
Und so stehe das kleine Büsli Golda auch für Entschlossenheit und Unabhängigkeit, fährt Rüegg fort, «denn der Gemeinderat war immer entschlossen, den öffentlichen Verkehr auf dem Berg zu stärken. Dazu brauchen wir eine vom ZVV und von den VBZ unabhängige Lösung.»
— Daniel J. Schüz, 6. Nov. 2026