Was Demokratie ist und wer sie richtig umsetzt, ist zu einem politischen Kampffeld geworden. Man muss nicht nach Deutschland oder Amerika blicken, auch Stimmen aus der Schweiz loben hörbar die chinesische Variante der Staatsform oder wünschen sich eine Führung nach russischem Vorbild. Es gibt zwei Antworten auf die heutige Situation: Entweder sollte sich unsere altgediente Demokratie rasch in den Ruhestand begeben und neuen Kräften
Platz machen. Oder wir haben «Demokratie» zu lange als selbstverständlich genommen und zu wenig für sie getan.
Die unabhängige Gruppe «Runder Tisch Demokratie» in Küsnacht hat sich 2024 und 2025 in spannenden Vorträgen mit den übergeordneten Fragen zur Krise der Demokratie beschäftigt. Neben neuen Erkenntnissen führen Überblicke regelmässig zur Frage: Kann ich selber, neben Wählen und Abstimmen, «meine Demokratie» wieder spürbar lebendiger – und glaubwürdiger – machen? Wenn das grosspolitische Handeln vielen immer suspekter wird, werden Orte der Mitwirkung «vor der eigenen Tür» umso wichtiger. Aus diesem Grund richten wir im Winter 2026/2027 den Blick auf unsere Gemeinde und die praktisch gelebten Möglichkeiten zur Mitgestaltung des öffentlichen Lebens.
- Mittwoch, 11.11.2026: Vortrag von Dr. Céline Colombo. Der Regierungsrat hat die Förderung der Teilhabe in einer vielfältigen Gesellschaft zum Legislaturziel erklärt (2023-2027). Die Leiterin der dafür geschaffenen «Koordinationsstelle Teilhabe» ortet Ursachen für die Demokratiemüdigkeit und zeigt aufgrund wissenschaftlicher und praktischer Befunde, wie und wo politisches Engagement gestärkt werden kann.
- Donnerstag, 26.11.2026: Der Vortrag von Che Wagner gibt Einblick in Erfahrungen mit neuen demokratischen Beteiligungsformen in der Schweiz. Im Zentrum stehen der Zukunftsrat U24 (ein nationaler Bürger:innenrat mit jungen Menschen) und die Aufbauarbeiten rund um den Bevölkerungsrat Basel-Stadt. Beide Beispiele zeigen, wie ausgeloste, vielfältig zusammengesetzte Gruppen komplexe Fragen beraten und Empfehlungen für Politik und Öffentlichkeit entwickeln können.
- Samstag, 20.1.2027: An einem öffentlichen «Märtplatz» präsentieren sich Gruppen oder Einzelpersonen, die ausserhalb von Behörden in Küsnacht auf unterschiedliche Weise aktiv sind. Diese Sichtbarmachung von zivilgesellschaftlichen Initiativen soll nicht nur dem Austausch und der Vernetzung dienen.
- Donnerstag, 1.4.2027: Die bisher gemachten Erfahrungen werden gesammelt, ausgewertet und in einem vierten und abschliessenden Anlass mit der «Vision 2044» des Gemeinderates in Verbindung gebracht.
— Beat Regli, 16. Okt. 2026