Es ist heiss und ganz Solothurn schwitzt nur so vor sich hin.
Während meine Finger an der Tastatur meines leidgeplagten Laptops kleben, frage ich mich wirklich, wie lange das wohl noch so gehen mag. Die Temperaturanzeige reicht schon seit Wochen regelmässig über 35 Grad. Immerhin ist es jetzt etwas kühler, Regen und Donner sei Dank.
Eigentlich müsste ich es ja wissen und darauf vorbereitet sein, ab Mitte Juni nicht mehr ohne Kreislaufprobleme vor die Tür gehen zu können. Doch wie jedes Jahr wurde ich auch heuer gnadenlos von dieser elendigen Hitze übermannt.
Ich bin froh, nicht der Einzige zu sein, der in dieser Zeit leidet. Sogar jene, die den Sommer lieben und mit ihrem Sonnenbrand prahlen, den sie sich auf Mallorca oder an der Hafebar (ja, auch das geht) eingefangen haben, beschweren sich mittlerweile über dieses Backofenklima. Ich bin ehrlich: Da empfinde ich schon etwas Schadenfreude.
Selbst in Kleinstädten sind wir diesen Temperaturen schonungslos ausgesetzt. Wer sich abkühlen will, muss suchen. Und wer sucht, der findet. Oder etwa nicht?
Ich stehe also von meinem Schreibtisch auf, um meinem vollgeschwitzten Laptop eine kleine Pause zu gönnen. Ich öffne die Tür und prompt schlägt sie mir ins Gesicht, diese heisse Luft, die nach verdampftem Urin und abgestandenem Aarewasser riecht. Ich habe mich schon so an diesen versifften Geruch gewöhnt, dass er für mich Heimat bedeutet.
Wirklich angenehm kühl ist es auch im Schatten längst nicht mehr. Also husche ich durch die Stadt – so schnell, dass sich vor meinen Augen wieder alles dreht (das kommt in diesen heissen Tagen etwa zwei Mal pro Stunde vor) und halte nach einem kühlen Plätzchen Ausschau.
Fehlanzeige. Die Rasenplätze bei der Roten Brücke sind dichter besetzt als ein Melonenschnitz von Fruchtfliegen. Derweil ist jeder erdenkliche Zugang zur Aare von Leuten reserviert, die sich entweder heimlich eine Sportzigarette genehmigen oder ihre Füsse ins kühle Nass strecken.
Ich suche weiter. Am Mürli muss ich es erst gar nicht probieren. An den Tischen unter den Sonnenschirmen ist ohnehin kein Platz mehr und drinnen zu sitzen fühlt sich einfach falsch an. Doch dann finde ich trotzdem noch einen freien Stuhl. Einigermassen glücklich genehmige ich mir eine Hopfenkaltschale – bei diesen Temperaturen ist das übrigens keine gute Idee, wie ich wenig später feststelle. Wenn das Bier zumindest kalt gewesen wäre. Stattdessen hat es sich innert Sekunden an der Sonne dermassen erwärmt, dass dem Begriff «Hopfentee» eine komplett neue Bedeutung zukommt.
Bäume, das wärs jetzt. Also nehme ich einen letzten Anlauf, taumle weiter und setze mich schliesslich in die Buvette auf dem Postplatz. Hier hat es zwar Bäume. Doch die sind bekanntlich weder schön noch wirklich schattenspendend. Leicht angesäuselt bestelle ich sicherheitshalber eine Cola.
Doch als sich der erste Schluck in meinem Rachen verteilt, frage ich mich, seit wann das Softgetränk so salzig schmeckt. Ich habe wohl eine neue Geheimrezeptur entdeckt: Coca-Cola Sweat. Derweil brennt die Sonne in dieser Betonhölle, die sich Postplatz nennt, nicht nur von oben, nein, auch von unten auf meinen Körper. So sitze ich nun hier, ich armer Tor, und mir ist so heiss wie zuvor.
Ich gebe auf, schlurfe zurück nach Hause und setze mich wieder an meinen Laptop. Etwas beruhigendes hat die Sache. Denn ich weiss: Egal, wo wir gerade schwitzen: Wir schwitzen nie allein.
Passt auf euch auf.
— Cyrill Kerry Pürro, 30. Juni 2026