Ihr baut im Raum Wiesendangen eine Trauerbegleitung auf – wo steht euer Projekt aktuell?
Unsere Trauerbegleitung wächst Schritt für Schritt. Im Raum Wiesendangen und Umgebung möchten wir einen Ort schaffen, an dem Sterbende, Trauernde und Angehörige Platz finden – zum Reden, Erinnern, Weinen, Lachen oder einfach zum Sein. Gleichzeitig möchten wir dazu beitragen, Tod und Trauer wieder sichtbarer zu machen, damit sich Menschen in ihrer Trauer weniger allein fühlen müssen.
Eure Freundschaft hält seit über 20 Jahren – wie habt ihr euch damals als junge Mütter zusammengefunden?
Durch einen glücklichen Zufall lernten wir uns über ein „Junges Mami"-Forum kennen und merkten schnell, dass es einfach passte. Viele gemeinsame Interessen, Ausflüge mit unseren Kindern, Weiberabende und Fasnachts-Weekends haben uns über die Jahre verbunden. Nie hätten wir gedacht, dass wir uns Anfang 40 auch in einer ganz anderen Lebenssituation gegenseitig verstehen und auffangen würden – beim Verlust eines geliebten Menschen in der Familie.
Ein plötzlicher Herztod beim Vater und ein langes Bangen beim kranken Bruder: Wie habt ihr es geschafft, füreinander da zu sein?
Wir mussten nicht immer die richtigen Worte haben – wichtig war, dass die andere geblieben ist. Wir haben miteinander ausgehalten, geweint, geredet und manchmal einfach geschwiegen; vielleicht haben wir gerade dadurch gelernt, wie wertvoll es in der Trauer ist, einen Menschen an der Seite zu haben, der nicht weggeht.
Wer seid ihr abseits vom Thema Trauerbegleitung?
Wir sind Mütter, Grossmütter, Freundinnen, Hundemenschen und zwei Frauen, die genauso gerne lachen, Blödsinn machen und tiefgründige Gespräche führen. Die Trauer gehört nun zu unserem Leben – aber sie bestimmt nicht alles, was uns ausmacht.
Warum flüchten nach einem Todesfall so viele Bekannte ins Schweigen?
Oft schweigen Menschen aus Unsicherheit, weil sie nicht wissen, was sie sagen sollen – aber auch, weil unsere Gesellschaft erwartet, dass das Leben irgendwann wieder „normal" weitergeht und Trauer damit vorbei sein sollte. Doch Trauer verändert einen Menschen, und gerade wenn der Name des Verstorbenen kaum noch genannt wird und das Umfeld weiterzieht, kann es für Hinterbliebene besonders einsam werden.
Jelena, du verarbeitest deine Gefühle auch in Bildern – wie hilft die Kunst dort, wo Worte fehlen?
Wenn Worte fehlen, dürfen Bilder sprechen. Beim Zeichnen kann ich Gefühle herauslassen, ohne sie erklären oder in die richtigen Worte bringen zu müssen. Und wenn ein Bild dann bei einem anderen Menschen etwas berührt und ihm das Gefühl gibt, „Ich bin nicht allein damit", ist das für mich etwas ganz Besonderes.
Welchen persönlichen Bezug habt ihr zu Wiesendangen – und was macht das Dorfleben hier für euch aus?
Cindy hat durch ihren Sohn und seine Familie einen ganz persönlichen Bezug zu Wiesendangen, während Jelena im Nachbardorf Kefikon wohnt und dadurch mit der Region verbunden ist. Wir schätzen am Dorfleben vor allem die Nähe zu den Menschen, das Vertraute und dass man sich immer wieder über den Weg läuft.
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Über welche Person oder Organisation aus Wiesendangen möchtest du im Spatz mehr erfahren? Schick uns deinen Tipp – wir freuen uns auf deine Ideen: winterthur-nord@spatz.news
— Cindy und Jelena, 18. Sep. 2026