Seit dem 1. Juni beziehe ich meinen Strom über «Gemeinsamstrom», die lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) in Seuzach. Vier Monate sind inzwischen abgerechnet, und ich habe die Rechnungen mit den Messdaten meines Zählers verglichen. Dabei bin ich auf drei Dinge gestossen, die alle Teilnehmenden interessieren dürften.
Erstens: Die Teilnahme kostet nichts - sie bringt aber auch nichts. So ist es gewollt. Gemeinsamstrom kostet gleich viel wie Strom aus der Grundversorgung, im Sommerhalbjahr 9,73 Rappen pro Kilowattstunde. Für lokal bezogenen Strom gewährt EKZ einen Abschlag von 20 Prozent auf der Netznutzung, das macht 1,62 Rappen. Im Gegenzug erhebt Gemeinsamstrom eine Dienstleistungsgebühr von - genau - 1,62 Rappen. EKZs eigene Preistabelle landet deshalb mit und ohne LEG beim selben Betrag: 21,28 Rappen pro Kilowattstunde. Bei mir standen von Juni bis September CHF 11.09 Abschlag einer Gebühr von CHF 11.09 gegenüber, beides ohne Mehrwertsteuer. Das Werbeversprechen «ohne Mehrkosten» ist also wörtlich zu nehmen. Günstiger wird es nicht.
Falls jemand über die 20 Prozent stutzt: Das Gesetz erlaubt bis zu 60 Prozent, abgestuft danach, wie viele Netzebenen der Strom innerhalb der Gemeinschaft beansprucht. Laut EKZ umfasst unsere LEG mehrere Trafostationen, deshalb gilt der tiefere Satz.
Auch der lokale Anteil schwankt stark. Im Juni und Juli kam bei mir mehr als die Hälfte des Stroms aus der Nachbarschaft, im September noch knapp 30 Prozent. Im Winter dürfte es deutlich weniger sein.
Zweitens: Die erste Rechnung war zu hoch. Auf der Gemeinsamstrom-Rechnung vom 3. November wurden Bruttopreise als Nettopreise eingesetzt und dann noch einmal mit Mehrwertsteuer belastet. Statt CHF 83.85 sollte ich CHF 90.65 bezahlen. Auf meine Nachfrage bestätigte EKZ den Fehler am nächsten Tag, stornierte die Rechnung und stellte eine korrigierte aus. Wer am 5. November ebenfalls eine Korrekturmeldung erhalten hat: Die alte Rechnung nicht bezahlen. Wer sie schon bezahlt hat, bekommt Beträge über fünf Franken zurück, kleinere werden gutgeschrieben. Das wurde rasch und sauber erledigt.
Drittens: Die Verbrauchsanzeige ist weg. Seit dem Beitritt zeigt das Kundenportal myEKZ bei mir keinen einzigen Verbrauchswert mehr, nur noch «Wird ermittelt». Laut EKZ betrifft das alle LEG-Teilnehmenden. Seit Juli wird eine Behebung in Aussicht gestellt, einen Termin gibt es bis heute nicht. Verloren gehen die Messdaten dabei nicht: Auf schriftliche Anfrage beim Kundendienst erhielt ich sie vollständig als Excel-Datei, aufgeteilt in LEG- und Netzbezug.
Das ist mehr als eine Unannehmlichkeit. Das Stromversorgungsgesetz sieht seit diesem Jahr ausdrücklich vor, dass Endverbraucher eine «kundenfreundliche digitale Übersicht» über ihre Lastgangwerte erhalten, samt Vergleich mit den Vorjahren (Art. 17a bis Abs. 5 StromVG). Für meine Stromrechnung war diese Übersicht bisher das wirksamste Werkzeug. Ein Heizlüfter, der im Februar versehentlich die ganze Nacht lief, liess den Verbrauch an diesem Tag fast auf das Doppelte steigen - in der Tageskurve auf einen Blick erkennbar. Erst solche Kurven machen sichtbar, wann im Haus wie viel Strom fliesst. Dass sie ausgerechnet bei jenen ausfallen, die sich für lokalen Solarstrom entschieden haben, ist die eigentliche Ironie dieser Geschichte.
Mein Fazit: Unter dem Strich hält Gemeinsamstrom, was es verspricht - lokalen Solarstrom ohne Mehrkosten. Wer mitmacht, sollte aber wissen, dass die Verbrauchsanzeige vorerst wegfällt. Das hätte beim Beitritt in einem Satz gesagt werden können. Die Gemeinde als Partnerin von Gemeinsamstrom könnte dafür sorgen, dass Neueintretende diesen Satz künftig zu lesen bekommen.
— Bernhard Hauswirth, 6. Nov. 2026