Weshalb die Linie 672 nicht kommt und die 676 bleibt, wie sie ist, schildert jetzt der Gemeinderat Dägerlen in der Dägerler Poscht 5/2026. Er ergänzt, was im September in diesem Blatt als «Dägerlen-Dilemma» beschrieben war: Die Wünsche der Nachbargemeinden hätten sich nur auf Kosten von Dägerlen erfüllen lassen. Von der dritten Haltekante in Seuzach, mit der Postauto das Scheitern der 672 begründete, ist dort nicht die Rede.
Was Dägerlen schildert
Die Auflage vom März sah für Dägerlen Direktkurse nach Winterthur nur noch zu den Hauptverkehrszeiten vor; sonst hätte die neue Linie 678 nach Hettlingen geführt, mit Umstieg auf die 676 an der Föhrenstrasse. Nach 24 Rückmeldungen aus der Bevölkerung verlangte der Gemeinderat in seiner Stellungnahme vom 14. April, die Direktverbindung nach Winterthur beizubehalten. Im weiteren Verfahren zeigte sich, dass auch Thalheim an der Thur, Dinhard, Seuzach und Hettlingen Änderungsbegehren gestellt hatten. Alle zu berücksichtigen wäre laut Poscht nur zulasten von Dägerlen gegangen: Tagsüber wären die Direktkurse ganz weggefallen, ebenso dieser Umstieg; nach Winterthur wäre man nur noch über den Bahnhof Hettlingen gekommen, mit schlechten Anschlüssen an den Fernverkehr. Der Gemeinderat bezeichnete das als inakzeptabel, ein Rekurs wäre die Folge gewesen. Der Verkehrsrat entschied darauf, auf Antrag von Postauto und ZVV, die heutigen Fahrpläne vorerst beizubehalten, für Dägerlen mindestens zwei Jahre.
Die vier Abendkurse
Eine Aussage aus meinem Beitrag vom 18. September muss ich präzisieren. Ich schrieb, die vier Kurse ab Henggart von 16.37 bis 19.37 Uhr, die Lindenhof, Oberwil und Berg auslassen, seien nicht Teil des Verfahrens gewesen. Das war zu absolut: In der Auflage vom März und im Entwurf vom Mai standen sie nicht, zum Ergebnis des Verfahrens gehören sie aber. Sie sollen abendliche Verspätungen aufholen, und der Gemeinderat erachtet die Anpassung als vertretbar. Wer mit einem dieser Kurse nach Winterthur will, steigt zuerst Richtung Henggart ein. Gemessen an heute bleiben Dägerlen zwischen 16 und 20 Uhr fünf statt neun Abfahrten nach Winterthur; gemessen an der Auflage, die montags bis freitags nur fünf Direktkurse ab Henggart vorsah, hat es fast alles zurückbekommen.
Neu: Halt Industrie Asp
Ab 13. Dezember hält die 676 auch bei der Industrie Asp an der Schaffhauserstrasse, im Fahrplan ohne zusätzliche Minute. Geplant ist ein Provisorium mit Haltestellen auf der Fahrbahn und einem verschobenen Fussgängerstreifen mit Schutzinsel; die Unterlagen liegen bis 31. Oktober bei der Gemeindeverwaltung Seuzach, Abteilung Hochbau, auf. Einwendungen und Anregungen nimmt die Gemeinde schriftlich entgegen; Einsprache erheben kann, wer vom Projekt berührt ist, per Brief beim kantonalen Strasseninspektorat.
Zwei Jahre Zeit
Der Gemeinderat Dägerlen will die zwei Jahre nutzen, um mit den Nachbargemeinden und Postauto eine Lösung zu finden, die allen etwas bringt; dass einzelne Gemeinden stark profitieren und andere «abgehängt» werden, dürfe nicht sein. Ein Ansatz, der diese Bedingung erfüllen könnte, ist der Rundkurs der Linie 674, den ich im September skizziert habe: Er brächte Oberohringen den direkten Bus nach Seuzach und liesse die 676 und damit Dägerlen unberührt. Die Poscht bestätigt auch, was hier am 2. Oktober am Beispiel Gelterkinden zu lesen war: Die Einwände wirkten, weil sie vorlagen, solange noch entschieden wurde, und weil eine Gemeinde mit Rekurs drohen konnte.
— Bernhard Hauswirth, 12. Okt. 2026