Die FDP-Ortsparteien von Bütschwil-Ganterschwil, Kirchberg und Mosnang haben sich mit einem offenen Brief an die Gemeinderäte der drei Gemeinden gewandt. Sie bitten diese, in der laufenden Legislaturperiode gemeinsam zu prüfen, ob, wie und welche Teile der Gemeindeverwaltungen zusammengeführt werden könnten.
Ein erheblicher Teil der Verwaltungsaufgaben ist in den Gemeinden praktisch identisch, wird heute aber dreifach und weitgehend unabhängig voneinander erbracht. Wir denken hier an die Ämter, welche vor allem übergeordnetes Recht vollziehen und bei deren Aufgabenerfüllung die Gemeinde wenig bis keinen Spielraum hat. Gleichzeitig steigt der Aufwand für kommunale Aufgaben laufend – vielerorts hat dieser Druck in Fusionsdiskussionen gemündet.
Für die drei Ortsparteien ist klar: Eine Fusion bedeutet immer auch einen Verlust an Selbstbestimmung und sollte deshalb als letztes Mittel gewählt werden. Wer die Eigenständigkeit der Gemeinden erhalten will, muss die Gemeindeverwaltungen entlasten. Als Vorbild dient die erfolgreiche Zusammenlegung des Grundbuch- und Landwirtschaftsamtes im Alttoggenburg.
Zwei Vorteile stehen im Vordergrund: Grössere Abteilungen sind als Arbeitgeberinnen attraktiver, weil sie mehr Flexibilität bei Stellenprozenten und Ferienplanung sowie zuverlässigere Stellvertretungen erlauben, ohne dauerhafte Mehrkosten im Betrieb, wie beispielsweise Springereinsätze bei Ausfällen, was gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ein gewichtiges Argument ist. Daneben lassen sich kostspielige Vorhaben wie beispielsweise die Digitalisierung gemeinsam finanzieren.
Bewusst machen die Ortsparteien keine Vorschläge dazu, welche Bereiche zusammengelegt werden sollen – diesen Entscheid überlassen sie den Gemeinderäten. Jede Gemeinde soll unabhängig von ihrer Grösse gleichberechtigt bleiben.
«Wir wollen den Gemeinderäten nichts vorschreiben. Sie wissen am besten, wo eine Zusammenarbeit Sinn macht und vertretbar ist – wir erwarten lediglich, dass sie sich mit den anderen Gemeinderäten an einen Tisch setzen und eine vertiefte Zusammenarbeit ernsthaft prüfen», sagt Remo Sprecher, der das Projekt der drei FDP-Ortsparteien vertritt. Statt Anträge an die Bürgerversammlungen zu stellen, wählten die Ortsparteien bewusst den offenen Brief: Das Anliegen soll von Beginn weg öffentlich diskutiert werden. Über das Ergebnis der Prüfung soll auch die Bevölkerung informiert werden, beispielsweise an der Bürgerversammlung.
Für die drei FDP-Ortsparteien ist indes klar: Könnten in der Verwaltung Synergien genutzt und Doppelspurigkeit abgebaut werden, gewinnen wir alle den Fünfer und das Weggli.
Die FDP-Ortsparteien werden an diesem Thema dranbleiben – agieren, anstatt reagieren. Abschliessend weisen die Ortsparteien auch auf die Einfache Anfrage zu diesem Thema hin, die im Kantonsrat unter anderem von Ruben Schuler, Mosnang, eingereicht wurde.
Offener Brief an die Gemeinderäte der Gemeinden Bütschwil-Ganterschwil, Kirchberg und Mosnang
Bütschwil-Ganterschwil/Kirchberg/Mosnang, 31. August 2026
FDP-Ortsparteien fordern gemeinsame Prüfung einer vertieften Zusammenarbeit der Gemeindeverwaltungen
Sehr geehrte Gemeindepräsidenten
Sehr geehrte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte
Ein erheblicher Teil der Verwaltungsaufgaben in den drei Gemeinden Bütschwil-Ganterschwil, Kirchberg und Mosnang ist praktisch identisch, wird heute aber dreifach und weitgehend unabhängig voneinander erbracht. Wir denken hier an die Ämter, welche vor allem übergeordnetes Recht vollziehen und bei deren Aufgabenerfüllung die Gemeinde wenig bis keinen Spielraum hat. Die FDP-Ortsparteien der drei Gemeinden laden Sie deshalb ein, gemeinsam zu prüfen, ob, wie und bei welchen Arbeiten und Ämtern die Gemeindeverwaltungen künftig enger zusammenarbeiten könnten.
Ausgangslage
Die Gemeindeebene steht seit Jahren unter besonderem strukturellem und finanziellem Druck, auch im Alttoggenburg. Der Aufwand für die Erfüllung kommunaler Aufgaben ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Als Reaktion darauf rücken Gemeindefusionen vermehrt in den Fokus.
Vor diesem Hintergrund haben sich die drei FDP-Ortsparteien ausgetauscht.
Gestützt auf die guten Erfahrungen mit dem bereits zusammengelegten Grundbuch- und Landwirtschaftsamt erachten wir es als sachgerecht, Formen der interkommunalen Zusammenarbeit genauer zu prüfen: Die gemeinsame Erledigung inhaltlich vergleichbarer und heute parallel geführter Verwaltungsaufgaben – ohne die politische Selbständigkeit der Gemeinden infrage zu stellen.
Eigenständigkeit schützen
Wer selbständig bleiben will, muss vorsorgen. Durch die gemeinsame Erledigung der Verwaltungsaufgaben können Gemeinden gezielt entlastet werden und bleiben dabei autonom. Unser Anliegen soll also eben gerade nicht als Vorstufe einer Fusion betrachtet werden. Wie die Zusammenarbeit genau stattfinden soll, möchten wir bewusst offenlassen. Beispiele wären aber die Bildung von Profitcentern oder die Gründung eines öffentlich-rechtlichen Unternehmens nach dem Vorbild der Gemeinden Rorschach und Goldach, welches verschiedene Verwaltungsdienstleistungen für die beteiligten Gemeinden übernimmt (Tagblatt vom 12. Juli 2026).
Attraktivität steigern, Investitionen gemeinsam stemmen
Der Fachkräftemangel ist in den Gemeindeverwaltungen allgegenwärtig. Grössere Abteilungen schaffen Flexibilität bei den Stellenprozenten, in der Ferienplanung und sichern Stellvertretungen zuverlässiger. So entsteht ein relevanter Mehrwert ohne dauerhafte Mehrkosten im Betrieb, wie beispielsweise Springereinsätze bei Ausfällen, und nebenbei steigt das verfügbare Fachwissen, was den Einwohnerinnen und Einwohnern zugutekommt. Kostspielige Projekte und Beschaffungen – etwa im Bereich der Digitalisierung – lassen sich zudem gemeinsam angehen und finanzieren. Was eine Gemeinde allein kaum tragen kann, wird zu dritt realistisch.
Der Entscheid liegt bei den Gemeinden
Auch zur Frage, welche Arbeiten und Verwaltungsbereiche zusammengeführt werden könnten, möchten wir bewusst keine Vorschläge machen. Wir sind überzeugt, dass jeder Gemeinderat für seine Gemeinde am besten beurteilen kann, was fachlich sinnvoll und sozial vertretbar ist. Im Austausch mit den anderen Gemeinden kann so jede Gemeinde selbst Umfang und Ausgestaltung der Zusammenarbeit bestimmen und bleibt gleichberechtigt, unabhängig von ihrer Grösse.
Unser Anliegen an die Gemeinderäte der drei Gemeinden
Ob und wie die drei Gemeinden zusammenarbeiten, muss in den Gemeinden und zwischen denselben besprochen werden. Wir möchten Sie deshalb dazu auffordern:
● gemeinsam mit den Gemeinderäten der anderen oben genannten Gemeinden zu prüfen, ob und in welchem Umfang die Zusammenführung einzelner oder mehrerer Verwaltungsbereiche zweckmässig, rechtlich zulässig und wirtschaftlich sinnvoll ist;
● diese Prüfung in der laufenden Legislaturperiode an die Hand zu nehmen und abzuschliessen;
● die Bevölkerung über das Ergebnis dieser Prüfung zu informieren, beispielsweise an einer der nächsten Bürgerversammlungen.
Das Grundbuch- und Landwirtschaftsamt zeigt das Potenzial einer vertieften Zusammenarbeit: Diese sichert die politische Selbständigkeit und verbessert zugleich die Attraktivität unserer Verwaltungen als Dienstleiterinnen und Arbeitgeberinnen. Kurzum: De 5-er und s Weggli!
Wir danken Ihnen für die Prüfung unseres Anliegens und stehen für ein Gespräch gerne zur Verfügung. Die FDP-Ortsparteien Bütschwil-Ganterschwil, Kirchberg und Mosnang werden an diesem Thema dranbleiben – agieren, anstatt reagieren.
Abschliessend weisen wir auch auf die Einfache Anfrage zu diesem Thema hin, die im Kantonsrat unter anderem von Ruben Schuler, Mosnang, eingereicht wurde.
— Remo Sprecher, 31. Aug. 2026